Home Nach oben Kontakt News Impressum

     

                                              

Nach oben

 

 

Kleiner historischer Exkurs über Reiterbögen

Der Reiterbogen ist ein meist als Recurve ausgeführter kurzer Bogen, der vom Pferderücken aus geschossen werden kann und außerhalb Europas entwickelt und benutzt wurde. Am bekanntesten sind dabei die Hunnen und die Mongolen, deren Zug nach Westen man auf Seiten der "Betroffenen" anfangs wenig entgegenzusetzen hatte. Der militärische Vorteil beruhte dabei auf dem massiven Einsatz der leichten Kavallerie, die - mit Reiterbögen bewaffnet - mobile und weitreichende Angriffe auf den Gegner durchführte.

Mongolische und türkische Reiterbögen hatten ein Zuggewicht von durchschnittlich 75 Pfund und warfen speziell abgestimmte leichte Pfeile mehr als 500 -800 m weit.

Ein weiteres Beispiel für effektiven Einsatz von Reiterbögen sind die Comanchen Nordamerikas, die im 19. Jahrhundert von den feindlich gesinnten Armeen der jungen Vereinigten Staaten anerkennend als die "beste leichte Kavallerie der Welt" bezeichnet wurden.
Der Reiterbogen unterscheidet sich in seiner Bauart vom schnell und simpel konstruierten, mannshohen europäischen Langbogen, dessen legendärer Ruf letztlich auf monströsen Zuggewichten bis 130 Pfund, schweren panzerbrechenden Pfeilen und verstärktem Salven-Einsatz im Bereich von max. 200-300 m beruht.

Der hunnische, mongolische und auch der spätere türkische Reiterbogen besteht als echtes "high-tech"-Produkt seiner Zeit aus einer komplexen Kombination aus den Werkstoffen Holz, Sehnen und Horn, wobei die Funktion des Holzes z.T. auf das bloße Tragen der tierischen Materialien beschränkt wurde. In einem Bauprozess, der u.U. mehr als 2 Jahre betragen konnte, wurden hieraus überaus leichte und handliche Bögen mit ausgeprägten steifen Recurves, den so genannten "Siyas", gefertigt.

Der Vorteil von Sehnen und Horn besteht in ihrer höheren Fähigkeit, Energie zu speichern und auch wieder (an den Pfeil) abzugeben. Die Effizienz eines solchen gut gebauten Reiterbogens mit entsprechender möglicher Formgebung ist höher als die eines konventionellen Bogens aus Holz, der bei identischem Layout sofort brechen würde.

Nachteilig ist die starke Anfälligkeit solcher klassischer Kompositbögen gegen jegliche Art von Feuchtigkeit - im Extremfall löst sich der durch elastischen und hochfesten Hautleim zusammengehaltene Materialverbund einfach auf, wodurch der Bogen irreparabel zerstört wird.

Das zweite Material, neben Holz, aus dem der Kompositbogen besteht, kann alles von einer anderen Holzsorte über Knochen, Sehnen bis hin zu Metall sein. Sehr verbreitet war auch der Hornbogen, der aus verleimten und verzahnten Hornstäben sowie Sehnen besteht.

Da die Herstellung eines Kompositbogens wesentlich kostspieliger und aufwendiger ist, kostet er weit mehr als ein normaler Bogen. Diese Problematik beeinflusste vermutlich den für das Schicksal Europas entscheidenden Rückzug der Hunnen um das Jahr 600.

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an: AndreaSZB@aol.com 
Stand: 22. Februar 2017